Handlungsfeld 1

Spiritualität

Zwei Mädchen in einem Maislabyrinth

Begleiter im Labyrinth des Lebens: Spiritualität weist oft den Weg.

Bild: © iStockPhoto / shadowinternet

Welcher Geist bestimmt mein Leben? Welche Statik gibt meinen Hoffnungen Halt? Aus welcher Tiefe ziehen meine Wurzeln Kraft?

Gerecht vor Gott werden wir nicht durch unser Verdienst oder Werk, sondern aus Gnade durch den Glauben. So lautet ein Grundsatz evangelischen Glaubens. Dies wird manchmal aber so verstanden, als wäre einem der Glaube in den Schoß gefallen, oder man hätte ihn eben nicht. Dagegen sei hier jede Bemühung um einen eigenen Weg im Glauben umsonst oder sogar schädlich.

Heute allerdings sehnen sich immer mehr Menschen nach einer Vertiefung ihres Glaubens und Lebens, die sie im Gottesdienst so nicht finden. Die bayerische Landeskirche hält zahlreiche Angebote für spirituelle Sinnsucher bereit, die auf der Suche nach religiöser Lebensdeutung und Lebensgestaltung sind: Rituale für Biographie und Jahreszyklus, für den Rhythmus von Tages-, Jahres- und Lebenszeiten. Formen der Spiritualität in der Kirche sind nahezu keine Grenzen gesetzt: Bilder, Musik, Sprache, Texte, selbst Kunst und Architektur bieten vielfältige Zugänge zum Evangelium.

Spirituelle Zentren in Bayern

Spirituelle Zentren in Bayern: Herberge & Kontaktzentrum für Pilger

Das Spirituelle Zentrum St. Martin im Münchner Glockenbachviertel richtet sich an Menschen, die auf der Suche nach dem Wesentlichen sind. Das Motto des Zentrums lautet: „Schweigen. Reden. Handeln“. Gebet und Engagement gehören hier untrennbar zusammen.

Den Kern der Spiritualität bildet das Herzensgebet nach dem ungarischen Jesuitenpater Franz Jalics. Zum Wochenrhythmus gehören in St. Martin das regelmäßige „Sitzen in der Stille“ und die sonntägliche Martinsmesse. Etwa einmal im Monat findet ein "Tag der Stille" für Geübte und Ungeübte statt, die Gott im Schweigen suchen. Jeweils im Herbst bietet St. Martin einen achtwöchigen Kontemplationskurs in der Tradition des Herzensgebets an. Das Spirituelle Zentrum St. Martin ist Herberge und Kontaktzentrum für Pilger.

Angebote für begleitete Auszeiten, Kurse und Fortbildungen finden sich in vielen Kirchengemeinden, bei den beiden spirituellen Zentren im Haus „eckstein“ in Nürnberg und in St. Martin in München und bei den über zehn evangelischen Klöstern, Kommunitäten und geistlichen Gemeinschaften in Bayern. Insbesondere die unterfränkische Communität Casteller Ring auf dem Schwanberg und die Christusbruderschaft im oberfränkischen Selbitz sind hier zu nennen. Auch Angebote wie „Ökumenische Exerzitien im Alltag“ oder „Kloster auf Zeit“ können Hilfen sein, um in einem begrenzten Zeitraum einen geistlichen Weg anzubahnen.

Wie sagte schon Martin Luther: „Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind's noch nicht, wir werden's aber.“ -- Die Einladung des 1. Thessalonicherbriefes „Sagt immer Dank, ruft Tag und Nacht zu Gott, freut euch allezeit, betet ohne Unterlass.“ (1. Brief des Paulus an die Thessalonicher Kapitel 5, Vers 16) lässt fragen, wie mache ich das von „Montag bis Samstag“? Wie halte ich Räume und Zeiten im Alltag frei für Stille, Gebet und Meditation?

Spirituelle Angebote

Alltagsrituale und Gebet

Die Kirche hält Rituale für Biographie und Jahreszyklus, für den Rhythmus von Tages-, Jahres- und Lebenszeiten bereit: das Gebet, die Stille, das Bewegen eines Wortes, das Wiederentdecken Gottes in seiner Schöpfung und in der Begegnung mit Menschen, Symbole und Bilder, Körperhaltungen und Gesten. Menschen, die auf der Suche nach religiöser Lebensdeutung und Lebensbewältigung sind, finden vielfältige Angebote und Anregungen – auf unseren Seiten zu Alltagsritualen und Gebet.

Geistliche Begleitung

In den Gesprächen der geistlichen Begleitung geht es darum, Menschen darin zu unterstützen, ihr Leben zu ordnen, den roten Lebensfaden zu finden, ihre religiösen Prägungen und ihr Gottesbild anzuschauen und den Heilkräften Gottes zu vertrauen. Die Geistliche Begleitung versteht sich dabei als ein Dienst des Zuhörens, dann des Rückfragens oder Zuredens. Sie will den begleiteten Menschen darin unterstützen, das Wirken Gottes im eigenen Leben selbst zu entdecken und zu bejahen. Dabei vertraut sie darauf, dass Gott jeden Menschen beim Namen gerufen hat und mit ihm einen ganz eigenen Weg gehen will. Geistliche Begleitung vollzieht sich in Form vereinbarter Einzelgespräche mit einem Geistlichen Begleiter oder einer Geistlichen Begleiterin. Die Gespräche finden nach Vereinbarung etwa monatlich statt und können sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.

In der bayrischen Landeskirche hat sich eine Reihe von Personen für den Dienst Geistlicher Begleitung bereit erklärt. Sie besitzen eine eigene Ausbildung in Geistlicher Begleitung und Praxiserfahrung.
Liste der geistlichen Begleiter und weitere Informationen

Exerzitien

Es gibt verschiedene Formen von Exerzitien: Während Ignatius selber dreimonatige Exerzitien in der Abgeschiedenheit eines Klosters anbot, gibt es heute auch kürzere Formen: Einzelexerzitien, die drei, fünf oder neun Tage dauern. Solche Angebote findet man in Klöstern und in evangelischen Kommunitäten. Die Form der „Exerzitien im Alltag“ nimmt eine Sonderstellung ein, denn sie finden ganz bewusst mitten im Alltag statt, also direkt in unserer täglichen Umgebung und unseren persönlichen Lebensumständen. Einzeln und im Miteinander einer Gruppe suchen Menschen nicht den beflügelnden Ausnahmezustand, sondern eine verlässliche Grundströmung in ihrem täglichen Leben.
Exerzitien im Alltag

Kloster auf Zeit

Sich dem Alltagsstress entziehen, abschalten, Kraft tanken, zu sich selbst finden – diese Art der Erholung können Menschen erleben, wenn sie sich für ein paar Tage zum Beispiel in einem Kloster einquartieren. Immer mehr Menschen ziehen sich eine Zeit lang ins Kloster zurück, um sich einmal intensiv mit sich und dem eigenen Leben auseinander zu setzen, auch in spiritueller Hinsicht. „Kloster auf Zeit“  nennt sich diese Form der Rückbesinnung und wird auch von den evangelischen Gemeinschaften und Communitäten angeboten.

Pilgern

Pilgern ist „Beten mit den Füßen“, heißt es. Der Start wird mit einem Segen, der Weg mit Gebeten und spirituellen Impulsen und das Ziel mit dem Nachdenken über Glauben und Sinn des Lebens bewusst verbunden und begangen. Man kann dies allein tun, man kann sich aber auch einer erfahrenen Pilgergruppe oder einem Pilgerbegleiter anvertrauen. Etwa zehn Haupt-Jakobuswege gibt es in Bayern, daneben aber auch noch viele andere Meditationswege.
Pilgern im Internet http://www.pilgern-bayern.de

Glaubenskurse

Kurse zum Glauben bieten die Möglichkeit, zentrale Themen des christlichen Glaubens kennenzulernen und herauszufinden, welche Bedeutung der Glaube für das persönliche Leben haben kann. Auf verschiedenen Wegen nähern sich die Kursteilnehmer dem christlichen Glauben – anhand von biblischen oder philosophischen Texten, Interpretationen zeitgenössischer Denker, mittels Symbolen oder Werken der Kunst. Kurse zum Glauben sind eine Entdeckungsreise für Nichtchristen und gerade auch für Christen, die ihren Glauben aktiver und intensiver leben möchten.
Glaubenskurse auf unseren Seiten

Angebote der Evangelischen Kommunitäten

Evangelische Kommunitäten sind geistliche Zentren, die Gott suchende Menschen mit einem vielfältigen Angebot gemeinschaftlicher Spiritualität, liturgischer Alltagsrhythmen, regelmäßiger Gottesdienste und Tagzeitgebete willkommen heißen. Sie öffnen ihre Lebensräume für Gäste und Mitlebende, bieten Seminare, Tagungen und Exerzitien an oder Zeit zur persönlichen Stille, Heilungsdienst und Seelsorge. Angeboten werden auch Kloster auf Zeit oder ein Freiwilliges Soziales Jahr. In Bayern leben insgesamt rund 250 Männer und Frauen in kommunitären Gemeinschaften, die in der "Konferenz der evangelischen Kommunitäten in Bayern" unter dem Dach der Landeskirche zusammengeschlossen sind.

Liste der Evangelischen Kommunitäten und Geistlichen Gemeinschaften in Bayern als pdf


23.02.2016 / Andrea Seidel