Ökumenisches Lernen

Ökumenisches Lernen

Gruppenbild Studierende

Entscheidend für das Ökumenische Lernen ist die Grundhaltung.

Bild: istockphoto/ Christopher Futcher

„Es war für mich wie ein Gottesgeschenk, zehn Tage mit Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern und Kirchen zusammen sein zu können. Ich hatte so viele berührende Gespräche… Ich sprach mit einem Pfarrer der anglikanischen Kirche über unsere Länder und als ich ihm erzählte, dass ich aus Dresden komme, sagten wir uns gegenseitig, wie leid es uns tut, dass unsere Soldaten die Städte Coventry und Dresden gegenseitig zerstört haben.

Ich erfuhr viel über das Leben der orthodoxen Christen, diskutierte mit ihnen über das ,filioque'  und verstand wieder einmal, was ihnen in dieser Diskussion wichtig ist.“ Diese Erfahrung einer Teilnehmerin am Europäisch-Ökumenischen Studienkurs in Josefstal, zu dem die Evang.-Luth. Kirche in Bayern jedes Jahr über 60 verschiedene Kirchen aus verschiedenen Ländern in Europa und aus verschiedenen Konfessionen einlädt, beschreibt eine wesentliche Erfahrung „Ökumenisches Lernens“.

Was ist „Ökumenisches Lernen“?

Der Begriff „Oekumene“ wird im Ökumenereferat der Evang.-Luth. Kirche in Bayern in seiner ursprünglichen Bedeutung „die ganze bewohnte Erde“ verwendet, umfasst also auch den Arbeitsbereich des Dialogs mit den Religionen und damit das „Interreligiöse Lernen“. Der Begriff „Ökumenisches Lernen“ kann in einem „weiteren Sinne“ verwendet werden einschließlich des interreligiösen Lernens, aber auch auf die Schöpfung als Ganzes bezogen und in einem „engeren Sinne“, indem es sich hier in erster Linie auf den Leib Christi, also auf die Gemeinschaft der christlichen Kirchen bezieht. Interkulturelles Lernen ist dabei eine Dimension des ökumenischen Lernens, die beiden gemeinsam ist.

Mehr zum Thema

Entscheidend für das Ökumenische Lernen ist die Grundhaltung, dem und den anderen, dem oft Fremden mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen und die Verschiedenheit als Reichtum und Bereicherung zu entdecken. Ökumenisches Lernen heißt hier, die Fremdheit durchaus anzuerkennen, aber dem Fremden mit Neugierde und Offenheit und einem eigenen Standpunkt zu begegnen und vom anderen in der Auseinandersetzung mit diesem zu lernen.

Ökumenisches Lernen bedeutet „entdecken und lernen“

Beim „Ökumenischen Lernen“ geht es dabei nicht primär um Wissensvermittlung. Im Vordergrund steht das Entdecken, dass wir Christen (und „Menschen guten Willens“, wie es Papst Johannes XXIII. ausdrückte,) schon jetzt entdecken und positiv erfahren können, dass wir eine Gemeinschaft sein dürfen, die uns alle verbindet und die sich zum Wohl der Menschen und der Schöpfung einsetzt. Wenn wir vom ökumenischen Lernen reden, geht es dabei nicht um die Einführung eines neuen Arbeitsbereichs in den Kirchen, sondern ökumenisches Lernen ist eine Dimension allen pädagogischen Handelns in den Kirchen.

Dabei geht es nicht nur um das explizite Bildungshandeln der Kirche, sondern um das Handeln der Kirche in all ihren Lebensäußerungen (und wahrscheinlich gerade dort, wo man sozusagen nebenbei lernt), also auch im Gottesdienst, im diakonischen Handeln, in der Seelsorge u.v.m.

Ökumenisches Lernen ist grenzüberschreitend.

Es überschreitet die Grenzen der Herkunft, Biografie, der eigenen Möglichkeiten von einzelnen und von Gemeinschaften, weil es sich auf den Zuspruch des Wortes Gottes und auf den umfassenden Horizont seiner Verheißung einlässt.

 

Ökumenisches Lernen schließt interkulturelles Lernen ein.

Es möchte die Begegnung zwischen einzelnen Kulturen, Traditionen und Lebensformen fördern, weil die Erweiterung des Blickfelds für die Vielseitigkeit der Gemeinde an aller Orten der Erde und auch für die Vielseitigkeit des Lebens auf dieser Erde erst den Reichtum der Schöpfung (Natur, Geschichte und Kultur) erfahren und erkennen lässt.

 

(Quelle: „Ökumenisches Lernen; Grundlagen und Impulse; Eine Arbeitshilfe der EKD; Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1985) 


02.02.2016 / Heinz Dunkenberger-Kellermann