Handlungsfeld 6

Kirchenasyl

Zum Beispiel Pfronten: Hier beherbergt die evangelische Kirchengemeinde zwei Syrer, um sie vor Abschiebung zu schützen. Film: Axel Mölkner-Kappl

Viele Gemeinden sind konfrontiert mit der konkreten Frage, wie Flüchtlingen in einer humanitär und rechtlich schwierigen Lage geholfen werden kann. Manchmal wird dabei ein so genanntes Kirchenasyl gewährt, eine Aufnahme auf Zeit in kirchliche Räume, die Behörden zu erneutem Nachdenken über bessere Lösungen bewegen soll. Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum. Asyl gewährt allein der Staat. Aber es ist ein wertvoller Dienst am Rechtsstaat, wenn sich Christinnen und Christen aufgrund ihres Gewissens, ihrer Glaubensüberzeugung und ihrer ethischen Maßstäbe dafür einsetzen, dass Flüchtlinge zu ihrem Recht kommen. Fundamentalnorm des Rechtsstaates ist der Schutz der Menschenwürde, deren Unantastbarkeit auch und gerade bei Menschen auf der Flucht gewahrt und gesichert werden muss.

Kirchenasyl ist kein Affront gegen das Recht, sondern Dienst am Recht, das Leben zu schützen hat. Es stellt auch die Frage, ob und wie das geltende Recht und seine Anwendung verbessert werden müssen, um Asylsuchenden und ihrem berechtigten Wunsch nach einem Leben in Sicherheit gerecht werden zu können. Darüber hinaus ist ein zeitgemäßes Zuwanderungsrecht zu erarbeiten. Kirche und Diakonie sind seit langem im Gespräch mit politisch Verantwortlichen, um den dringlichen Handlungsbedarf aufzuzeigen. Kirchenasyle sind zwar immer auf den einzelnen Menschen bezogener Schutz in seiner Not gerichtet, unterstreichen aber die Dringlichkeit politischen Handlungsbedarfs und verdienen umso mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung.


11.01.2016 / Andrea Seidel